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© 2014 LENTOS Kunstmuseum Linz

Prolog

Die Ausstellung stellt zeitgenössische KünstlerInnen in den Kontext der Slapstick-Stummfilme aus der Frühzeit der Filmgeschichte. Die Slapstick- Komödie spielt mit Erwartungsaufbau, kalkulierter Enttäuschung und verzögerter Pointe. Bildende KünstlerInnen sind den großen Stummfilm- Meistern auf den Fersen, machen sich die kulturellen Codes des Slapsticks zunutze und spielen mit dessen Zitaten, Motiven und Konzepten. Eine Motivation dahinter ist es, das etablierte Bild des Künstlers als Helden zu unterwandern. Der Preis dafür ist, lächerlich zu werden, und als Gewinn lockt die Einsicht in die zutiefst verletzliche und nicht kalkulierbare menschliche Existenz. Vor dem Hintergrund der heutigen Perfektions- und Hochleistungsgesellschaft gewinnt das zelebrierte Scheitern besonderen Charme.

Das Saalheft der Kunstvermittlung gibt Informationen zu allen Werken und Filmen der Ausstellung und ist nach Ausstellungskapiteln geordnet. Es soll Sie bei Ihrer individuellen Annäherung an die künstlerischen und filmischen Werke unterstützen.

Eine Ausstellung des Kunstmuseum Wolfsburg

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CRASH-BOOM-BANG

Helpmates
Dick und Doof - Wir sitzen in der Klemme, Hilfreiche Hände, Fussbodeningenieure, Wenn die Maus aus dem Haus (div. dt. Titel)

Stummfilm von James Parrott und Hal Roach, USA, 1932




„Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch“, lautet ein bekanntes Sprichwort, das den Film Helpmates gut zusammenfasst. Ollie feiert in Abwesenheit seiner Frau eine wilde Party und wacht am Morgen darauf im Chaos auf. Um die Wohnung bis zur Rückkehr seiner Gattin wieder zeitgerecht auf Vordermann zu bringen, bittet er seinen Freund Stan um Hilfe. Natürlich geht beim Aufräumen alles schief, was nur schief gehen kann. Zum Schluss brennt das Haus sogar nieder und Ollies Lage ist schlimmer als zu Beginn.
Die Zerstörung des Wohnhauses hat im Slapstick eine lange Tradition. Symbolisch steht das Wohnhaus für die bürgerliche Ordnung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen besonders hohen Stellenwert hatte. Darüber zu lachen, wie jemand anders sein Heim verliert, lenkt von der Angst ab, wie schnell es gehen kann, selbst das Zuhause zu verlieren.


Peter Land
Geb. 1966 in Aarhus, lebt Kopenhagen, Dänemark

Springtime (Forår), 2010
Frühling (Forår)


Courtesy Galleri Nicolai Wallner, Kopenhagen




Ein Haufen Ziegelsteine und ein Arm, der herausgestreckt wird. Mehr ist nicht zu sehen. Wer hier zugeschüttet wurde und wie das geschehen ist, bleibt offen. Wie sich die Person hingegen fühlen muss, lässt sich erahnen. In Kombination mit dem Titel, der neben „Frühling“ auch mit „Neubeginn“ übersetzt werden kann, drückt die Geste jedoch auch etwas Heroisches aus: „Was? Von so einem Haufen Ziegelsteinen soll ich mich unterkriegen lassen? Da muss schon mehr kommen“, scheint uns die Situation sagen zu wollen. Das Scheitern, um danach wieder von vorne zu beginnen, als wäre nichts gewesen, zieht sich wie ein roter Faden durch Peter Lands Kunst. Bekannt wurde der Künstler in den 1990er Jahren mit Videos, in denen er sich freiwillig in Situationen begab, in die niemand geraten möchte: als Entertainer, der immer wieder betrunken vom Barhocker auf der Bühne fällt, oder als Striptease-Tänzer, der sich ungelenk, wild tanzend vollständig entblößt. Das Lachen über die peinlichen, mitleiderregenden Aktionen, in denen der Künstler seine Würde und sein Schamgefühl komplett ausblendet, bleibt den BetrachterInnen bald im Hals stecken: Denn das Gefühl des Fremdschämens hat immer auch mit uns selbst zu tun.

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TORTENSCHLACHT


The Battle of the Century
Die Schlacht des Jahrhunderts, Alles in Schlagsahne (div. dt. Titel)
Stummfilm von Clyde Bruckman, USA, 1927

Cinematographische Commerz-Anstalt, Triesenberg, Liechtenstein




Zwei Männer, ein Schicksal. In über 100 Filmen traten Stan Laurel und Oliver Hardy von den frühen 1920er Jahren bis 1951 zusammen auf. In den meisten scheitert das US-amerikanische Komiker-Duo an nicht allzu schweren Aufgaben oder Alltagssituationen. Die Rollen der beiden sind klar verteilt: Ollie glaubt der Klügere und seinem Partner überlegen zu sein, ist aber der viel größere Pechvogel und muss mehr Schmerzen einstecken. Stans naives Gemüt, das Ollie schnell auf die Palme bringt, scheint ihn vor Attacken jeglicher Art zu schützen.
The Battle of the Century zählt zu den ersten und berühmtesten Kurzfilmen des Duos, das im deutschsprachigen Raum auch als Dick und Doof bekannt ist. Weil Stan bei einem Boxkampf das heiß ersehnte Preisgeld verliert, schließt Ollie eine Unfallversicherung auf seinen Partner ab, um so die Finanzen aufzubessern. Als jedoch nicht Stan auf der absichtlich fallen gelassenen Bananenschale ausrutscht, sondern ein Tortenlieferant, entbrennt ein unerbittlicher Kampf, in den bald die ganze Straße involviert ist.


Alexej Koschkarow
Geb. 1972 in Minsk, Weissrussland / lebt in New York City, USA

Tortenschlacht, 2003
Pie fight


Courtesy Alexej Koschkarow




Wollten Sie nicht auch schon mal jemand eine Cremetorte ins Gesicht schmeißen oder ein daunengefülltes Kissen um die Ohren hauen? Dieser Drang nach Polster- oder Tortenschlachten, der uns über die Kindheit hinaus begleitet, entspricht vielleicht dem Wunsch nach ein bisschen heiterem Chaos in einer perfekt geregelten Welt. Der Künstler Koschkarow erfüllte sich diesen Kindheitstraum und lud dreißig FreundInnen in die Räumlichkeiten des Düsseldorfer Kunstvereins Malkasten. 800 Kilogramm Cremetorte stellte er den unwissenden elegant Gekleideten zur Verfügung und filmte sie dabei, wie sie sich lustvoll der Schlacht hingaben, bis sie – von Kopf bis Fuß eingehüllt in Schlagobers – „fast selbst wie lebende Skulpturen“ aussahen. Koschkarow spielt in vielen seiner subversiven Werke mit Situationen, die keinesfalls erwartet werden.


Vincent Olinet
Geb. in Lyon, Frankreich, lebt in Brüssel, Belgien und Singapore

Torten, 2007
Pies

Courtesy Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf, Germany | Galerie Laurent Godin, Paris




Üppig, kalorienreich und picksüß wirken diese 20 Torten, die ihre beste Zeit schon hinter sich zu haben scheinen. Läuft Ihnen beim Anblick dieser Torten das Wasser im Mund zusammen? Oder schreckt Sie diese farbenfrohe Künstlichkeit eher ab?
Es sind zweierlei Emotionen, die der Künstler in uns wecken will: „Ich möchte glänzende, farbenfrohe Kunstwerke schaffen, die unsere Träume und Bedürfnisse ansprechen, aber eigentlich von Ernüchterung oder Vergänglichkeit handeln.“ Vincent Olinets Arbeiten scheinen aus einer Märchenwelt zu kommen, die ohne Happy End auskommen muss. „Nichts ist nur schwarz oder weiß. Es ist wichtig für mich, beide Seiten der Medaille zu zeigen“, sagt der Künstler, der als Kind Film-Regisseur und als Jugendlicher Comic-Zeichner werden wollte, bevor er realisierte, dass sich als Künstler beide Kindheitsträume vereinen lassen.

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BANANENSCHALE


Buster Keaton (1895–1966)
The High Sign
(etwa: Geheimzeichen)
Stummfilm von Buster Keaton und Edward F. Cline, 1921
Eureka Entertainment Ltd., London




Bevor die Bananenschale zu einem bekannten Slapstick-Requisit wurde, war sie als „Bedrohung für die Bevölkerung” bekannt. Die Banane war bald nachdem sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA importiert wurde, ein beliebter Snack. So wie anderen Müll, warf man damals – mangels öffentlicher Abfallkübel – auch die Bananenschale einfach auf die Straße. Sobald die Schale zu verrotten beginnt, wird sie glitschig und so zur Gefahr. Um 1880 warnte eine Tageszeitung ihre LeserInnen vor Bananenschalen auf dem Gehsteig, da sich so manche/r schon beim Ausrutschen verletzt habe. Der Comedian Billy Watson war um 1900 der erste, der die Bananenschale in seinen Shows anwendete. Im Film war es Harold Lloyd, der den Gag 1917 erstmals in eine Szene einbaute. In The High Sign spielt Keaton mit der mittlerweile bekannten Requisite: Er geht auf eine Bananenschale zu, und rutscht – entgegen der Erwartung der ZuseherInnen – NICHT aus. Keaton führt die Menschen vor dem Bildschirm in diesem Fall an der Nase herum, was diesen wiederum erst recht ein Lächeln ins Gesicht zaubert.


Wilfredo Prieto
Geb. 1978 in Sancti Spíritus, Kuba, lebt in Barcelona, Spanien

Grasa, Jabón y Plátano, 2006
Fett, Seife und Banane
Fat, soap and banana


Sammlung Jesús Villasante, Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam und Nogueras Blanchard, Barcelona



Es ist, was es ist. Der kubanische Künstler Wilfredo Prieto nennt seine Kunstwerke meist nach dem, was konkret zu sehen ist. Er wählt keine philosophischen Titel oder gar die Bezeichung „Ohne Titel“, bei der die BetrachterInnen ganz sich selbst überlassen sind. In diesem Fall trägt das Kunstwerk schlicht den Namen Fett, Seife und Banane. Rutscht man auf diesem Gebilde etwa dreimal so heftig aus, wie auf einem einzelnen der drei Bestandteile? Auf jeden Fall löst es bei den BetrachterInnen Bilder im Kopf aus. Man stellt sich unweigerlich vor, was passieren würde, wenn man aus Versehen darauf steigt.

Prietos Arbeiten bestehen meist aus Alltagsgegenständen, die er scheinbar unaufwendig arrangiert. Zum Beispiel 12 Schachtische, auf denen jedes Mal eine andere Schach-Matt-Position zu sehen ist; oder zwei Steine in einer Blutlache. Was die Arbeiten vollendet und sie zu Kunstwerken macht, sind die BetrachterInnen, in deren Köpfen die Geschichten dazu entstehen.

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KETTENREAKTION


Robert Elfgen
Geb. 1972 in Wesseling, lebt in Köln und Berlin

den rock aber nicht den hut, 2011
the jacket but not the hat


Privatsammlung, Köln / Private Collection, Cologne



Gleich 16 Mal sehen wir fotografische Ganzkörperporträts des Künstlers in schlichten Schwarz-Weiß-Kopien. Diese wurden hintereinander in eine silbrig-glitzernde Airbrush-Landschaft montiert. Als Bricolage, also Bastelei aus Gefundenem, Improvisiertem und technisch genau Ausgeführtem könnte die Arbeit bezeichnet werden. Der Künstler trägt Anzug. Der im Titel erwähnte Hut aber fehlt. Dieser sollte immer aufbehalten werden, folgt man einem alten Zimmermannslied, so Elfgen. Der ausgebildete Tischler war Meisterschüler von Rosemarie Trockel. Er beschäftigt sich in seinen Arbeiten häufig mit dem Verhältnis zwischen Mensch, Umgebung und Gesellschaft. So gelangte er zur Utopie des hoffnungsvollen Scheiterns. Entsprechend erinnert die Arbeit nicht von ungefähr an ein Domino oder eine Kettenreaktion. Elfgen schätzt wie Jeppe Hein performative Einlagen des Publikums. 2007 bot er im Wuppertaler Stadtraum Jugendlichen eine Bühne für Bewegung und Action an. In diesem Sinne: Bühne frei! Lassen Sie sich fallen!



Charlie Chaplin (1889–1977)

Times
Moderne Zeiten


Stummfilm von Charlie Chaplin, USA, 1936
Renewed Copyright © 1963 Roy Expert S.A.S. Alle Rechte vorbehalten.



Charlie Chaplin wurde in Großbritannien geboren und gilt als einflussreichster Komiker des 20. Jahrhunderts. Seine bekannteste Rolle ist der „Tramp“ (Vagabund). Dieser hat die Manieren eines Gentlemans, ist ausstaffiert mit Melone, zu großen Hosen und Schuhen und trägt ein Zweifingerbärtchen. Modern Times gilt als Kinofilm, der mit den Folgen von Industrialisierung und Kapitalismus hart ins Gericht geht: In dem hier ausgewählten Filmausschnitt arbeitet Chaplin am Fließband: Der Tramp zieht Schrauben fest und führt diese Bewegung selbst dann weiter, wenn die Maschine still steht. Oder er hadert mit der zu hohen Geschwindigkeit der Maschine, hält der Beschleunigung nicht stand und stört dadurch hilflos die geregelten Arbeitsabläufe bis er ins Räderwerk der Maschine gerät: eine tragisch-komische Kettenreaktion. Im Verlauf des Films wird er entlassen, kommt ins Gefängnis und entflieht diesem wieder, verliebt sich in eine Landstreicherin (gespielt von Chaplins damaliger Frau Paulette Godard), die in einer Bar tanzt und singt, während Chaplin sich dort zunächst als Kellner und dann als Sänger versucht.


Fischli/Weiss
Peter Fischli geb. 1952, lebt in Zürich
David Weiss geb. 1946 in Zürich, Schweiz, gest. 2012

Der Lauf der Dinge, 1987
The Way Things Go

Kunstmuseum Wolfsburg



Der Lauf der Dinge ist das wohl berühmteste Werk des Schweizer Künstlerduos Fischli/Weiss und war ein Publikumsliebling auf der documenta 8. Peter Fischli und David Weiss arbeiteten von 1979 bis 2012 in den unterschiedlichsten Medien zusammen. Typisch für ihre Arbeiten ist deren schräger Humor. „In dem Werk rollen, fallen oder fließen Alltagsobjekte zu einer wundersamen Kettenreaktion ineinander“, so beschrieb z. B. Hans-Ulrich Obrist sein Lieblingswerk erst kürzlich in einem Kunstmagazin.

Gefilmt wurde die Kettenreaktion, bei der ein Bewegungsimpuls den nächsten ergibt, in einer Lagerhalle. Die Kamera folgt dem Ereignis, die BetrachterInnen fiebern mit: Geht es weiter oder nicht?

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VERFOLGUNGSJAGD


Buster Keaton (1895–1966)

The High Sign
(etwa: Geheimzeichen)

Stummfilm von Buster Keaton und Edward F. Cline, USA, 1921
Eureka Entertainment Ltd., London



Keaton, in der Rolle eines Mitarbeiters einer Schießbude, wird von „blutrünstigen Banditen“, den Blinking Buzzards, als Auftragskiller angeheuert. Zugleich wird er von August Nicklenurser (dt. etwa „Groschenzähler”) als Bodyguard engagiert, dummerweise von demselben Mann, den er erschießen soll. Bald beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch das Haus des Opfers. Nicklenurser hatte in Erwartung seiner drohenden Ermordung sein Haus entsprechend mit geheimen Fall- und Drehtüren ausgestattet, um sich im Bedarfsfall vor den Blinking Buzzards verstecken zu können. Dass Körperkomik auch immer etwas mit bestimmten räumlichen Situationen zu tun haben kann, wird in der legendären Szene beispielhaft vor Augen geführt.

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ECKSITUATION


Marcel Duchamp

Geb. 1887 in Blainville-Crevon, gest. 1968 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich

Replica of Door, 11 rue Larrey
Nachbau des Türobjekts aus dem Atelier in der Rue Larrey 11, (Orig. 1927)



Duchamp lässt eine besondere Tür von einem Tischler nach seinen Anweisungen anfertigen und stellt damit die Prinzipien der Logik auf den Kopf. Mit Door, 11 rue Larrey führte der Künstler sein Konzept des Readymade weiter: Zwar handelt es sich um einen alltäglichen Gegenstand, der durch die Wahl des Künstlers die Würde eines Kunstwerks erlangt. Darüber hinaus wurde der Gegenstand vom Künstler extra beauftragt. Die Original-Tür befand sich in seinem Studio in Paris, der Titel verrät Straße und Hausnummer.

Es handelt sich dabei um eine Tür, die in zwei verschiedene Türrahmen passt. Die Beobachtung des Schriftstellers Alfred de Mussets, dass „eine Tür entweder geöffnet oder geschlossen sein muss“, gilt hier nicht mehr. Will man einen Raum schließen ist ein anderer geöffnet und vice versa. 1963 wurde die Tür aus Duchamps Atelier ausgebaut und als autonomes Kunstwerk ausgestellt.

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KÖRPERKOMIK


Buster Keaton (1895–1966)

The Cameraman
Der Kameramann, Buster der Filmreporter (div. dt. Titel)


Stummfilm von Edward Sedgwick, USA, 1928

Licensed by Warner Bros. Entertainment Inc., Burbank, Kalifornien / California



Keaton spielt in The Cameraman den Ferrotypie-Fotografen Luke Shannon. Ferrotypien, eine günstige Möglichkeit, sich ablichten zu lassen, waren damals auf Jahrmärkten sehr beliebt. In der Szene kommt Luke gerade mit Sally (gespielt von Marceline Day), in die er verliebt ist, im öffentlichen Schwimmbad an. Er landet versehentlich mit einem anderen Mann in einer Kabine, es geht eng zu; mit dem Ergebnis, dass er schließlich mit dem Badeanzug des anderen aus der Umkleide tritt. Klar, dass dieser Badeanzug nicht passt. Damit aber der Lächerlichkeit noch nicht genug: Shannon verliert den Badeanzug bei einem Sprung in den Pool.

Keaton hat seinen Eintritt in das große Filmstudio Metro Goldwyn Mayer, das The Cameraman produzierte, als größten Fehler seines Lebens bezeichnet. Er spielte aufgrund seines akrobatischen Geschicks lieber den Clown als einen romantischen Charakterdarsteller, wie es sich die Hollywood-Industrie von ihm wünschte.
Carola Dertnig
Geb. in Innsbruck, lebt in Wien

Stroller 1, 2008
Kinderwagen 1

3 Min.

byketrouble, 2003
(etwa: Fahrradärger)

5:50 Min.

Courtesy Carola Dertnig



In ihrer Video-Slapstickserie True Stories performt die Künstlerin selbst. Gezeigt werden inszenierte Momente des Scheiterns, zumeist im öffentlichen Raum. Die alltäglichen Handlungen erzählen von der Tücke des Objekts. Nicht auf komödiantische Weise wie im Slapstick, sondern eher irritierend. Oft gehen diese auf tatsächliche Erlebnisse der Künstlerin zurück. Die Situation, die in der Realität vielleicht nur ein kurzer Moment war, wird in Stroller 1 ausführlich geschildert: Eine Frau, die mit ihrem Kinderwagen nicht durch die Absperrungen einer U-Bahn-Station gelangt. In einem zu engen Aufzug kommt Dertnig in ihrem Video byketrouble in die Bredouille, besonders als eine andere Person zusteigt. Die Kamera ist so positioniert, dass die BetrachterInnen (wie auch im Ausschnitt aus The Cameraman, in dem zwei Männer in einer Umkleidekabine landen) von oben auf die Szene blicken. Die Begrenztheit des Raums tritt dadurch noch deutlicher hervor.
Timm Ulrichs
Geb. 1940 in Berlin, lebt Berlin und Hannover

Der erste sitzende Stuhl (nach langem Stehen sich zur Ruhe setzend), 1970
The first sitting chair (sitting down for a rest after a long time standing) Ed. 156/250


Privatsammlung / Private collection, Berlin



Ulrichs ist nicht nur Künstler, sondern auch konkreter Poet, oft sind seine Werke visualisierte Sprachbilder. Dies reicht vom Hautfilm (eine Projektion auf die Haut) bis hin zur concrete poetry, einem Schriftzug aus Beton (engl. concrete). Anders als bei diesen wortwörtlichen geht er mit Arbeiten wie der hier ausgestellten noch einen Schritt weiter. Er erzählt eine ganze Geschichte, von einem Stuhl, der nicht mehr stehen will. Und das, obwohl das Wort „Stuhl“ doch ursprünglich von „stehen“ kommt, wie der Künstler, dem oft ein eulenspiegelhafter Humor nachgesagt wird, recherchiert hat. Die hinteren Stuhlbeine sind mit Scharnieren versehen. Die Beine können daher umklappen, und der Stuhl sitzt, ähnlich wie andere Vierbeiner. Der Mensch aber steht – das Verhältnis zwischen Mensch und Möbel wird umgekehrt. Außer der Mensch ist bereit, seine gewohnte Sitzposition aufzugeben.
John Wood & Paul Harrison
Geb. 1969, Hong Kong, China und 1966 England, leben in Bristol

Twenty Six (Drawing and Falling Things), 2001

Courtesy John Wood, Paul Harrison und / and Carroll/Fletcher




Wood und Harrison arbeiten seit 1993 zusammen. Gemeinsam erkunden sie in ihren 26 (hintereinander geloopten) Videoarbeiten die physischen und psychischen Parameter der Welt um sich herum. Dabei entstehen kurze, tragisch-komische Theaterstücke, die an Slapstick erinnern. Vielleicht sind sie eine moderne, britische Version von Estragon und Wladimir, Figuren aus Samuel Becketts Warten auf Godot? Die Körper der Mimen interagieren stets mit Requisiten, wie Gießkannen oder einem Boot, in einfach konstruierten Räumen. Ist es ein Spiel, sind die beiden gerne Crash-Test-Dummies oder einfach nur Freunde von special effects? Die kurzen Stücke lassen sich genussvoll betrachten, laden ein zum Schmunzeln – je nachdem ob BetrachterInnen Sympathie für die beiden aufbringen oder doch eher sadistisch veranlagt sind. Besonders komisch: beide Performer, egal was passiert, verziehen – wie Buster Keaton – keine Miene.
Bruce McLean
Geb. 1944 in Glasgow, Schottland lebt in London, England

Pose Work for Plinths, 1971
Posieren für Sockel




Courtesy Bruce McLean und / and Tanya Leighton Gallery, Berlin Der schottische Maler, Bildhauer und Performancekünstler studierte an der Glasgow School of Art und an der Saint Martins School of Art. Früh entwickelte McLean subversive und humorvolle künstlerische Strategien, um dem Akademismus an der Kunsthochschule zu entfliehen. Zum Beispiel schuf er Müllskulpturen oder versuchte sich, wie in der ausgestellten Fotoserie zu sehen, selbst als Skulptur im Stil von Henry Moore. Die Arbeit erinnert an die Körperkomik in Slapstick-Filmen. Pose Work for Plinths war ursprünglich eine Performance für die Situation Gallery in London und wurde später für die Aufnahme der Fotoserie nachgestellt.
Bruce Nauman
Geb. 1941 in Fort Wayne, lebt in Galisteo, USA

Bouncing in the Corner, No. 1 & No. 2, 1968 & 1969
(In die Ecke, aus der Ecke)


Kunstmuseum Wolfsburg



1968/69 entstehen die beiden gleichnamigen Videoperformances, in denen Nauman selbst der Akteur ist. Darin testet der Künstler die Grenzen des Raums, in diesem Fall seines Ateliers, aus. Während sich die Schauspieler in The Cameraman in einer Rolle befinden, bleibt Nauman stets er selbst und gibt sich der Lächerlichkeit preis. Wie schon am Spiel mit den Kamerapositionen erkennbar ist, erforschte Nauman mit großer Ernsthaftigkeit die Möglichkeiten des damals noch jungen Kunstmediums. Der Titel verrät bereits die ganze Handlung, deren Sinnhaftigkeit unter anderem darin besteht, zu zeigen, wie das Medium Video funktioniert. Eine Besonderheit ist auch der Rhythmus durch das Geräusch, das durch den Aufprall erzeugt wird und der durch den Videoloop immer wieder wiederholt wird. 1968, im Entstehungsjahr von Bouncing in the Corner, No. 1, hat der USamerikanische Künstler seine erste Ausstellung in Europa und ist außerdem an der documenta 4 beteiligt.

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TISCHMANIEREN


Charlie Chaplin (1889–1977)

The Gold Rush
Goldrausch


Stummfilm von Charlie Chaplin, USA, 1925
MK 2, Paris



Der Tramp kann dem Klondike-Goldrausch nicht widerstehen und zieht nach Alaska, um sein Glück zu suchen. Vor einem Schneesturm sucht er Schutz in einer Hütte, zu Essen gibt es nichts. Deshalb kocht der Tramp sich seine Schuhe und verspeist sie mit Genuss – und schuf so die bekannteste Szene aus Goldrausch. Der Filmschuh war übrigens aus Lakritze.
John Bock
Geb. 1965 in Gribbohm, lebt in Berlin

Zezziminnegesang, 2006

Courtesy John Bock



Geht es in Chaplins Stummfilm Goldrausch noch recht manierlich zu, – sieht man einmal davon ab, was auf den Tisch kommt – sind die Tischsitten in Zezziminnegesang eher ungewöhnlich. Lässt man sich ein, kann zwischen The Gold Rush und Bocks Zezziminnegesang ein komplexer Dialog entstehen, z. B. über die Art des Essens und den tieferen Sinn bestimmter Lebensmittel. Bock, der in der Kunstliteratur häufig auch als postmoderner Keaton oder als chaplinesk beschrieben wird, versuchte in der Performance u. a. mit einem Löffel, der am Bein eines Fauteuils befestigt worden war, eine Dose Ravioli zu essen.

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Slapstick Zitat 1


Harold Lloyd (1893–1971)

Safety Last!
Ausgerechnet Wolkenkratzer, Sicherheit spielt keine Rolle (div. dt. Titel)

Stummfilm von Fred C. Newmeyer und Sam Taylor, USA, 1923

Harold Lloyd Entertainment, Inc., Los Angeles



Ein Mann baumelt an den Zeigern einer großen Uhr, die am obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers angebracht ist: Eine Szene, die in die Filmgeschichte einging und dem Darsteller zum großen Durchbruch verhalf. Der Schauspieler Harold Lloyd schuf kurz davor den sympathischen Rollentypus eines gedemütigten Durchschnitts-Angestellten, der es mit Hilfe von Gewitztheit, Fitness und unbeugsamem Willen all jenen zeigt, die ihn nicht ernst nehmen. Die Fassade eines Hochhauses, ein Symbol der aufsteigenden USA, empor zu klettern, kann symbolisch auch für den Versuch die Karriereleiter zu erklimmen gelesen werden. Oben angekommen, außer Lebensgefahr, oder – im übertragenen Sinne – an der Erfolgsspitze angekommen, fällt ihm schließlich auch seine Geliebte um den Hals.
Lloyds Talent zum Klettern wurde mehrmals in seine Filme eingebaut und die meisten Stunts führte er selbst aus. Als 1919 bei Dreharbeiten für einen Werbespot versehentlich eine Bombe hochging, verlor der waghalsige Lloyd sogar Finger seiner rechten Hand.
Die Szene wurde immer wieder in anderen Filmen zitiert, darunter in Jackie Chans Project A, Zurück in die Zukunft, und zuletzt 2011 in Martin Scorseses Hugo.
Gordon Matta-Clark
Geb. 1943 in New York, gest. 1978 ebd.

Clockshower, 1973
(etwa: Uhrdusche)


Electronic Arts Intermix, New York



Gordon Matta-Clark studierte eigentlich Architektur. Obwohl er nie klassisch in diesem Bereich arbeitete, war das Thema stets zentral für sein künstlerisches Schaffen.
Er wurde bekannt durch seine „building cuts“, für die er Gebäude spaltete oder Teile aus ihnen herausschnitt. Ebenso wurden Wortspiele zu seinem Markenzeichen.
So reimt sich der Titel Clockshower auf den Clocktower in New York, den Ort des Geschehens dieses Videos. Darin betreibt der Künstler direkt vor der Riesenuhr in luftiger Höhe Körperpflege und hängt sich schließlich stark eingeschäumt auf die Zeiger.
Mit dieser übertriebenen Bewegung bezieht sich Matta-Clark einerseits auf Harold Lloyds akrobatische Slapstick-Einlage in dem Stummfilm Safety Last! In der Auseinandersetzung mit Bewegung, Gewicht und Schwerkraft, die er mit der befreundeten Choreografin Trisha Brown teilte, lag jedoch auch sein generelles Interesse, das in seinen architektonischen Arbeiten immer wieder zu finden ist.

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SCHLÄGEREI


Buster Keaton (1895–1966)

Steamboat Bill Jr., 1928
Wasser hat keine Balken, Wasser hat Balken, Stürmische Zeiten, Dampfer-Willis Sohn (div. dt. Titel)


Stummfilm von Charles Reisner, USA, 1928



Die Schlägerei kann als Ur-Element des Slapstick-Genres gesehen werden. Kommt der Begriff Slapstick doch von der Narrenpritsche, einem Theaterrequisit, mit dem man Schlaggeräusche imitieren kann. Aus diesem Utensil entwickelte sich die Bezeichnung für ein ganzes Genre. Warum es wohl so lustig ist, wenn jemand eine Tracht Prügel bekommt oder auch aus Versehen einen Schlag einstecken muss? Ist es die Schadenfreude, oder der Wunsch nach Aggression, die man selbst nicht ausleben kann? Buster Keaton wird in Steamboat Bill Jr. zu einem Zweikampf gezwungen. Sein Vater, der sich einen „starken“ Sohn wünscht, formt sogar dessen Hand zu einer Faust und schlägt damit zu. Der friedliche Junior scheint von Gewalt nichts zu halten und wird schließlich – wie eine Marionette – vom Vater abgeführt.
Hier lässt sich ein Bezug zu Keatons Biografie herstellen. Schon als kleiner Junge trat er mit seinen Eltern in einer Slapstick-Bühnenshow auf. Sein Talent, Stürze unbeschadet zu überstehen, wurde zur großen Attraktion: Sein Vater schleuderte ihn dabei zum Vergnügen des Publikums durch den Raum. Dieser Begabung verdankt Keaton, der eigentlich Joseph Francis getauft wurde, auch den Vornamen Buster – ein Wort, das auch mit Sturz übersetzt werden kann.
Szymon Kobylarz
Geb. in Swietochlowice, lebt in Katowice, Polen

Nose Punch Machine, 2007
Fressenpolierer


Courtesy Szymon Kobylarz und / and ZAK | BRANICKA, BERLIN



Trauen Sie sich hier Platz zu nehmen? Aber Vorsicht! Diese Apparatur könnte Ihnen einen ordentlichen Schlag auf die Nase verpassen. Dreht man an der Kurbel, bewegt sich der Schlagarm vor und zurück, direkt ins Gesicht der sitzenden Person. Wie praktisch! So kann man die eigene Faust schonen, wenn man jemandem eine verpassen will.
Zynismus und Spott machen einen wichtigen Teil von Szymon Kobylarz’ Kunst aus – nicht nur bei dieser Gerätschaft hier. So baute er zum Beispiel auch skurrile Objekte, die der Selbstverteidigung dienen (könnten) und karikierte dadurch die Zivilschutzkurse, die während des Kalten Krieges an Schulen unterrichtet wurden.
Inspiriert wurde Kobylarz zur Nose Punch Machine von einer Zeichnung Roland Topors (1938–1997), einem französischen Künstler und Schriftsteller, der für seine satirisch-surrealistischen Grafiken und Texte bekannt wurde.

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SISYPHOS


Billy Bevan (1887–1957)

Super-Hooper-Dyne Lizzies
(etwa: Über-Drüber-Muskel Lizzies)


Stummfilm von Mack Sennett, 1925, USA

Alpha Home Entertainment, Conshohocken, USA



Welch ein Missgeschick! Billy Bevan, australischer Stummfilmstar der ersten Stunde, will eigentlich nur seinen Wagen nach Hause schieben. Dabei bemerkt er nicht, dass er nicht nur seine eigene „Tin Lizzie“ („Blechliesel“), wie der Ford T im Volksmund hieß, in Bewegung versetzt, sondern auch viele andere Autos. Was für eine Kettenreaktion! Wie Sisyphos wirkt der Komödiant, wenn er die lange Wagenkolonne auf einen Hügel wuchtet. Am Ende entsteht ein entsetzlicher Blechschaden: Die Autos stürzen über einen Abhang. Wie Chaplin, Keaton und Hardy stand auch Bevan schon als Kind auf der Bühne und wurde vom Keystone-Chef Mack Sennett, dem Vater des Slapstick, entdeckt. In Super-Hooper-Dyne Lizzies spielt er gemeinsam mit dem schottischen Komiker Andy Clyde. Das Duo Clyde/Bevan wurde durch rasante und absurde Slapstick-Komödien bekannt. Die Einführung des Tonfilms beendete Bevans Karriere.
Francis Alÿs
Geb. 1959 in Antwerpen, Belgien, lebt in Mexico City

Paradox of Praxis 1 (Sometimes making something leads to nothing) – Ice, Mexico D.F., 1997
Paradox der Praxis 1 (Manchmal führt es zu nichts, wenn man etwas tut) – Eis, Mexico D.F.


Courtesy Francis Alÿs und / and Galerie Peter Kilchmann, Zürich



1987 kam Alÿs als Architekt nach Mexiko City. Vier Jahre später gab er die Architektur für seine frühen künstlerischen Arbeiten, die paseos (spanisch: Spaziergänge), auf. Ein solcher Spaziergang, bei dem er den Stadtraum durchstreifte, war auch Paradox of Praxis 1. Aber welcher Art ist diese künstlerische Arbeit, bei der er einen Eisblock vor sich her schiebt, bis er schmilzt? Eine Bewegung, eine Tätigkeit, die zu nichts führt, wie im Titel angemerkt? Die Absurdität seiner Performance ist offensichtlich, das Unspektakuläre, Alltägliche und Clowneske daran berührt. Die künstlerische Urheberschaft grundsätzlich in Frage zu stellen ist typisch für Alÿs, der mit dieser Arbeit den Sisyphos-Mythos ebenso heraufbeschwört wie Figuren aus Becketts Warten auf Godot.

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Slapstick Zitat 2


Buster Keaton (1895–1966)

Steamboat Bill Jr.
Wasser hat keine Balken, Wasser hat Balken, Stürmische Zeiten, Dampfer Willis Sohn (div. dt. Titel)


Stummfilm von Charles Reisner, USA, 1928



„Der Mann, der niemals lachte“, wurde Buster Keaton auch genannt. Tatsächlich hatte einer der erfolgreichsten Stummfilm-Komiker stets einen eher leeren Gesichtsausdruck.
Ein zweites Merkmal, für das Keaton bekannt wurde, sind seine akrobatischen Einlagen. Einer seiner berühmtesten Stunts, den er in mehreren Filmen zum Besten gab, ist folgender: Eine Hausfassade kippt um und Keaton bleibt unverletzt, weil er genau in der Aussparung eines offenen Fensters steht. In Steamboat Bill Jr. ist es ein Sturm, der das Haus zum Einstürzen bringt. Der Film zählt heute zu Keatons besten Werken; zu seiner Entstehungszeit war er aber nur mäßig erfolgreich. Der Grund dafür dürfte in der eher tragischen, statt lustigen Geschichte liegen. Die Väter von Dampfschiff-Willi Junior (gespielt von Keaton) und seiner Geliebten haben sich gegen die Beziehung der beiden ausgesprochen und die wiederkehrenden Streitigkeiten zwischen den Vätern untereinander sowie zwischen Junior und Senior waren eher untypisch für damalige Slapstick-Filme.
Steve McQueen
Geb. London, England, lebt in Amsterdam

Deadpan, 1997 (etwa: Pokerface)

Centre Pompidou, Paris, Musée national d’art moderne / Centre de création industrielle



Der Künstler und Filmemacher beschäftigt sich mit der Bildsprache des historischen Kinos, insbesondere dem Slapstick-Stummfilm. In Deadpan wird direkt die berühmte Hauseinsturz-Szene aus dem Film Steamboat Bill Jr. paraphrasiert. Buster Keatons Stuntman-Rolle hat hier McQueen mit „ausdruckslosem Gesicht“ (engl. „Deadpan“) eingenommen. Die Szene der umstürzenden Hauswand wird mehrfach wiederholt und aus unterschiedlichen Kameraeinstellungen gezeigt. Wie viele Filme McQueens hat auch Deadpan eine reduzierte Bildsprache. Die Inszenierung im Raum und eine wandfüllende Projektion sind wesentlich: Sie nimmt BetrachterInnen mit in den Film hinein und macht ihn so physisch erfahrbar.
McQueen machte als Young British Artist Karriere und wurde durch seine frühen Filme schlagartig berühmt. 1997 nahm er an der documenta X teil, zwei Jahre später erhielt er den Turner Prize, in der zugehörigen Ausstellung lief Deadpan. 2009 vertrat er Großbritannien auf der Biennale in Venedig. Seine bekanntesten Spielfilme sind Hunger und Shame. Sein dritter Kinofilm 12 Years a Slave ist für den Oscar nominiert.

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