© 2014 LENTOS Kunstmuseum Linz

Bio



Geb. 1954 in Strallegg, Steiermark, lebt in Wien und Obermarkersdorf, Niederösterreich

1973−1978 studierte er Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Walter Eckert.

Seit 1979 hatte er zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

Mosbacher erhielt wichtige österreichische Kunstpreise, zuletzt 2012 den Würdigungspreis für Bildende Kunst des Landes Niederösterreich.

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Einleitung



Alois Mosbacher ist Maler. Er zählt zu den wichtigsten österreichischen Vertretern der Gruppe der sog. Neuen Wilden, die in den 1980er Jahren einen neuen, von Impulsivität und Subjektivität getragenen Malereibegriff prägten. Mosbacher hat den großen Saal des LENTOS mit aktuellen malerischen Arbeiten in eine Bühne, einen künstlichen Wald verwandelt, in dem sich etwas abspielen kann. „Es ist bei mir eine andere Art Malerei, es geht nicht um das eine Bild, sondern um den Zusammenhang aller Bilder“, so der Künstler. Jede/r kann sich eine andere Geschichte, ein anderes Spiel ausdenken und sich einen eigenen Weg durch die Ausstellung bahnen. Mosbachers Anspruch ist der der Universalität, der Abbildung der Welt. Dabei ist ihm bewusst, dass durch Malerei etwas erzählen zu wollen, ein zu großer Anspruch ist. Daher spielt er mit erzählerischen Strukturen, er deutet an und öffnet Räume für Gedanken. Das Saalheft der Kunstvermittlung entstand auf der Grundlage eines Interviews mit dem Künstler, erläutert die wichtigsten Themen in der Ausstellung und soll Sie bei Ihrer eigenen Annäherung an die Werke unterstützen. Für die Betrachtung seiner Bilder gibt es keine Regeln. Laut Mosbacher dient ein Bild als Katalysator. Es wird verstärkt, was in den BetrachterInnen schon angelegt ist.

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Brücke



Eine augenfällige Besonderheit ist die Brücke inmitten des Raums, die verschiedene Funktionen und Hintergründe hat. Ein Hintergrund war die Herausforderung, die so ein riesiger Saal an AusstellungsmacherInnen stellt: „Da überlegt man sich als Maler, wie man die Bilder hängt und braucht eine Ausstellungsarchitektur. Man kommt nicht weit, wenn man denkt, man kann die Bilder nur an die Wand hängen. Ich wollte vermeiden, dass man diesen schönen Raum mit Stellwänden verkleinert.“ Hinzu kommen verschiedene Hilfskonstruktionen, um manche Bilder frei stehend zu halten. Nur ganz kleine Bilder hängen direkt an der Wand. Alle anderen Bilder streben in den Raum. Die Funktion der Brücke ist es, den BetrachterInnen viele verschiedene Standorte und Sichtweisen zu ermöglichen. Die Brücke ist nicht nur Ausstellungsarchitektur, sondern zugleich eine begehbare Skulptur, auf die man – wie auf einen Aussichtspunkt in der Natur – hinauf steigen kann. Die Bilder können aus einer anderen Position erhöht angesehen werden. An einer Seite der Brücke ist ein Bild installiert, wodurch man laut Mosbacher „richtig in das Bild hineinsteigen kann“. Auch die Tradition des Malens im Freien im Impressionismus kam Kunstkenner Mosbacher in den Sinn: „Ich fühle mich als Cyber-Impressionist, als Maler, der durch die Geschichte utopisch schweben, seine Staffelei auspacken und sich ein Malerplätzchen suchen kann. Und dann die schöne Szene malen. Wie Claude Monet die „‚Brücke über dem Seerosenteich’.“

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Wald/Bäume



Der Wald ist bei Mosbacher eine Bühne, auf der sich etwas abspielen kann. Zum Thema Wald sind viele Geschichten und Märchen bekannt. Der Wald kann Zufluchtsort sein oder Schutzraum. Oder aber auch ein Unort, ein vermeintlicher Tatort oder eine unheimliche Landschaft. Mosbachers ganze Arbeit beruht auf dem Thema Wald, er malt realistische Baumporträts, die in der Aneinanderreihung einen Wald ergeben, der von Objekten aller Art, Menschen oder Tieren bevölkert wird. Dem Künstler ist wichtig, dass seine Bilder nicht als romantische Landschaftsmalereien verstanden werden. Um zu verhindern, dass der Wald mit einem romantischen Impetus angesehen wird, hängt zwischen den großen Baumporträts mit dem schlichten Titel „Baumbilder“, 2012−2014 die Serie „Déjà vu“.

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Déjà vu



Die Serie „Déjà vu“ besteht aus vielen kleinen, aktuellen Bildern aus diesem und letztem Jahr. „Déjà vu“ heißt übersetzt „schon gesehen“. Bei den verschiedenen Motiven kommt die Sammelleidenschaft Mosbachers deutlich zum Vorschein: Er sammelt unentwegt Bilder, zum Beispiel von Nachrichtenagenturen, aus Zeitschriften und aus dem Internet. Diese sind Vorlagen für seine Bilder. Im Fall der „Déjà vu“-Serie sind es Motive des aktuellen Zeitgeschehens. Einige Personen sind zu erkennen, wie z. B. Berlusconi, Putin oder Merkel und Obama. Man sieht terroristische Akte, die Konflikte in Syrien und Ägypten klingen an. Zwischen all diesen vermeintlichen Nachrichtenthemen finden sich aber auch liebliche Genreszenen. Ein Versuch, mit Bildern die Welt zu erklären. Bei der Recherche entsteht ein Plot, eine eigene Welt für sich und mögliche Geschichten für die BetrachterInnen. Hier kommt es Mosbacher besonders auf die impressionistische Malweise an: „Ich habe es impressionistisch gemalt wie ein Hinterwäldler, der nicht weiß, was in der Welt los ist. Dadurch wird das Ganze relativiert“. Wesentlich ist auch die Hängung, durch die man die 60 Bilder ablaufen kann, als wären es Kader eines Films: „Malerei, die aus einem filmischen Denken heraus entsteht“, so der Künstler.

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Möblierung der Wildnis



Mosbacher mietete sich in den 1990er Jahren seinen Rückzugsort: ein Haus im Weinviertel. Bilder wie „Möblierte Wildnis“ greifen zurück auf ein Bild, das der Künstler von Mai bis Oktober dort im Wald malte. Ein alter Mann hatte sich illegal eine Hütte aus Abfallmaterial gebaut. Dann entdeckte der Maler im Wald Reste von Hütten, die Kinder sich als Unterschlupf gebaut hatten. Ihn faszinierten diese einfachen Architekturen. Darüber hinaus beschäftigte sich Mosbacher damals intensiv mit zwei amerikanischen Aussteigern: Einerseits mit dem Schriftsteller Henry David Thoreau. Dieser zog sich 1845 in eine selbsterbaute Blockhütte am Walden- See bei Concord in Massachusetts zurück. Dort lebte er zwei Jahre lang und beschrieb sein einfaches Leben am See in seinem Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“. Die Naturschutzbewegung und die 1968er-Generation bezogen sich auf seine Utopien. Andererseits mit dem Mathematiker Theodore Kaczinski. Dieser wurde in den 1970/80er Jahren als Una-Bomber (University and airline bomber) bekannt, nachdem er zahlreiche Briefbomben verschickt hatte. 1970 zog er sich in eine selbstgebaute Holzhütte in die Berge Montanas zurück, um sich destruktiven Utopien hinzugeben.

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Ball



Wie kommt der Ball in den Ast? „Wenn man so anfängt zu spielen, erinnert man sich vielleicht daran, dass man als Kind Ball gespielt hat und dieser im Baum hängen geblieben ist“, sagt der Künstler zu dieser Arbeit. Sie steht in direktem Bezug zu seiner „Alb“-Serie“ und ist ein Rückgriff auf ein Bild mit zwei Bällen, das der Künstler in seiner Neuen-Wilden-Zeit gemalt hat. Ihn interessiert der Überraschungsmoment, in dem nichts so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Der Gedanke, dass der Ball deshalb nicht herunterfällt, weil vielleicht die Schwerkraft abhandengekommen und die Welt aus den Fugen geraten ist, ist für den Künstler ein Albtraum. Genauso ein Schrecken, wie das Wissen, dass zwischen dem ersten Bild und der aktuellen Arbeit dreißig Jahre vergangen sind und er daran merkt, wie alt er geworden ist.

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Alb



Tiere dienen Mosbacher oft als Vorwand für seine Malereien, und so finden wir hier in neun Bildern in seiner nach Albträumen benannten „Alb“-Serie auch einen Hund, einen Bienenschwarm, Vögel oder tote Rehe. Der lieb dreinschauende Hund kam in die Ausstellung, „weil er mit seinem Stöckchen im Maul im Wald gut mitspielen kann“, so Mosbacher. Seine Motive findet Mosbacher in der Natur: „Wenn ich in den Wald gehe interessiert mich Überraschendes, wenn ein Suspense (eine Spannung) da ist, z. B. wenn Äste auf eine bestimmte Art liegen. Man fragt sich: Wie ist das möglich, wer hat das gemacht?“ Wer traut sich in den Wald? Auch wenn der Titel „Alb“ an Gruseliges denken lässt und Tod und Gefahr im Wald lauern, rät der Künstler zu entspannter Bildbetrachtung: „An die Bilder sollte man sich nicht zu ernst annähern, denn es gibt immer wieder mögliche Geschichten. Und es ist auch immer Humor dabei“.

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Annexraum: Zeichnungen



Im Annexraum sind überwiegend Arbeiten auf Papier, darunter Werke mit Bleistift, Kohle und Aquarell, zu sehen. Viele Kohlezeichnungen sind aus den 1980er Jahren und stammen aus Mosbachers Zeit als „Neuer Wilder“. Anders als bei den Arbeiten im großen Saal tritt die menschliche Figur, insbesondere der Kopf stärker in den Vordergrund. Immer entstammen die Motive der Natur. Auf der großformatigen, vielteiligen Bleistiftzeichnung „LARP“, 2003, spielt eine Menschengruppe im Wald ein Spiel. Die meisten Beteiligten tragen einen Stock in der Hand. Nur einer bearbeitet mit einer Motorsäge einen Baum. Die MitspielerInnen sind überwiegend im Laufen dargestellt, unser Blick wird kreuz und quer durch die Szenerie geschickt. Inspiriert ist die Spielszene durch das Live Action Role Playing, kurz LARP, das Mosbacher im Internet genau recherchiert hat. Dort organisieren spezielle Communities ihre Rollenspiele, z. B. aus dem Genre Fantasy. Sie spielen sich in einer mehr oder weniger mittelalterlich geprägten Welt ab, oft wird dabei gekämpft. Die TeilnehmerInnen treffen sich an vereinbarten Spielorten und jede/r schlüpft in eine bestimmte Rolle. Normalerweise gibt es beim Live Action Role Playing keine ZuschauerInnen: Die BetrachterInnen im Museum werden zu MitspielerInnen in einem Spiel mit offenem Ausgang.

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Videointerview mit Alois Mosbacher

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