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© 2013 LENTOS Kunstmuseum Linz

Eleanor Antin

geb. 1935
Der König, 1972
52 Min.
Electronic Arts Intermix, New York

In dieser Arbeit hinterfragt Antin ihre eigene Identität, indem sie in verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Kulturen und historischen Epochen schlüpft. Ihre Figuren gründen lose auf Fakten und soziokulturelle Wahrheiten. Sie geht der Frage nach, wie Geschichte ständig neu interpretiert wird. The King ist ihr Alter Ego, das sie in den frühen 1970er Jahren schuf. „Als junge Feministin wollte ich wissen, wie wohl mein männliches Selbst sein würde… es wurde mein politisches Selbst“, so Antin. „Seines Königreichs beraubt, wandert der König durch die Straßen und versucht wieder Kontakt zum Volk und den Orten aufzunehmen, die er einst regierte.“

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Steven Arnold

Leuchtende Kupplerin, 1972
74 Min.
Courtesy von / of The Steven Arnold Archive

Luminous Procuress besteht aus einer Reihe erotischer Kurzfilme, die Steven Arnold in San Francisco mit The Cockettes drehte, einer psychedelischen Theatertruppe, deren exzentrische Kostüme und Darbietungen Anteil an der Entstehung des Glam Rock hatten. Arnolds Arbeit beschäftigte sich mehr mit dem Verführerischen und der Sinnlichkeit als mit der Erzählung: „Ich überfülle gerne den Raum, damit der Betrachter seine Augen trainieren muss. Wenn alles gut geht (…) geht auch seine Psyche auf Reisen.“

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Steven Arnold, geb.1950

Moody and the Menstruators, 1974
10 Min.
Anne Bean + Moody and the Menstruators

The Moodies, eine Gruppe von KunststudentInnen sowie Mitgliedern der Band Roxy Music, hatte in den Collegekreisen der frühen 1970er Jahre Kultstatus. Ihre Aufführungen im Stil des Camp waren eine Mischung aus bildender Kunst, Konzeptkunst und Kitsch. Mit zahlreichen Cover-Versionen parodierten sie sowohl das Outfit als auch die Musik vergangener Zeiten. Anne Bean fühlte sich in dieser Vermischung unterschiedlicher Genres sehr wohl: „Ich mochte es, in viele verschiedene Identitäten zu schlüpfen“. Ihre Kollegin Polly Eltes dagegen bezeichnete den Retroglitter der Gruppe als simple Angeberei.

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Guy Bourdin, 1928–1991

Fashion Film (Geisha Girls), 1974 und Fashion Film (Lips), 1970 Je / Each 47 Sek., ohne Ton

Nachlass von / Estate of Guy Bourdin

Der Fotograf Guy Bourdin, der durch seine Arbeiten für die französische Ausgabe der Vogue berühmt geworden ist, revolutionierte mit verführerischverstörenden Model-Szenarien die Modefotografie. Seine Super-8-Filme entstanden für rein private Zwecke während der Fotosessions oder als eine Art visuelles Notizbuch. Der Film Geisha Girls zeigt die Models während eines Shootings für die Vogue in der Normandie. Nach seinem Tod wurden diese Filme aus Archivmaterial zusammengeschnitten. Sie liefern einen Einblick in die Denkweise des Künstlers und versetzen die BetrachterInnen gleichzeitig in die unbequeme Rolle eines Voyeurs.

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James Lee Byars, 1932–1997

Flügel zum Schreiben / The Wings for Writing, 1972

Galerie / Gallery Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln / Cologne & New York

Extravagante, gepflegte Kleidung war wichtiger Bestandteil der Kunst von James Lee Byars. Stets tadellos gekleidet mit seinem typischen Zylinder und goldfarbenen Laméanzügen, kombinierte er den dandyhaften Stil von Gilberts & Georges Living Sculptures mit der schamanistischen Aura eines Joseph Beuys. The Wings for Writing, in der Form seidener Ärmel mit angesetzten Federn, wurde vom Künstler 1972 bei einer Performance am Valentinstag in New York getragen.

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Marc Camille Chaimowicz, geb. 1947

Celebration? Realife Revisited, 1972–2000

Sammlung / Collection Migros Museum für Gegenwartskunst

Die Rauminstallation Celebration? Realife war eine Reaktion auf die zeitgenössische Trashkultur. Als eine Verbindung von Formen der E- und U-Kultur wurde dieses „Scatter Environment“ (Rauminstallation mit verstreuten Elementen) erstmals 1972 in der Ikon Gallery in Birmingham gezeigt. Seit 2000 wurde sie an verschiedenen Orten in modifizierter Form aufgebaut. Die verstreut im Raum verteilten Objekte, Discobeleuchtung und Rockmusik verweisen auf eine bestimmte Zeit und bestimmte soziale Gruppen.
Das Fragezeichen im Titel ist für Chaimowicz von besonderer Bedeutung: Es dient als „Metapher für die Kluft zwischen Kunst und Leben“.

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Jimmy De Sana, 1949–1990

Markierungshütchen, 1982
Auto Self Portrait, 1980
Iguana, 1979
Pool, 1980

The Jimmy De Sana Trust & Wilkinson Gallery, London

Glam zelebriert die Zweideutigkeit, den Fake und die Oberflächlichkeit. Der New Yorker Punkkünstler Jimmy De Sana fotografierte sich selbst und FreundInnen in inszenierten Settings und mit Posen, um Selbstidentität und Sexualität zu hinterfragen. In den Cibachrome-Abzügen (Cibachrom = Silberbleichverfahren) mit hoher Farbintensität entsteht eine beunruhigende Atmosphäre. Das gespenstische Licht und die unnatürlichen Posen der Figuren verstärken die surreale Stimmung noch.

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General Idea

Das 1971er Miss General Idea Teilnehmer-Kit

Courtesy AA Bronson / General Idea, New York/Toronto

Das kanadische Künstlerkollektiv General Idea beschäftigte sich in den 1970er Jahren mit der Beziehung zwischen Kunstwelt und Glamour. Die Ausstellung The 1971 Miss General Idea Entry Kit widmet sich einem extravaganten und pansexuellen Schönheitswettbewerb. Ausgewählte KünstlerInnen aus ganz Kanada erhielten ein Set mit verschiedenen Formularen und ein Kleid. Die FinalistInnen mussten ihre ausgefüllten Formulare zusammen mit einer Fotografie, auf der sie das mitgeschickte Kleid trugen, einsenden. Dreizehn Antworten der TeilnehmerInnen wurden in der Art Gallery of Ontario in Toronto ausgestellt. Der Gewinner Marcel Dot 21 wurde ausgezeichnet, weil er „den Glamour einfing, ohne ihm zu verfallen“. An der Abschlussveranstaltung waren KunstkritikerInnen beteiligt, die ästhetische Fragen diskutierten. Der Wettbewerb sollte die Hierarchien in der Kunst spiegeln.

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Gilbert & George, geb. 1943 & 1942

Porträt der Künstler als junge Männer, 1970
7 Min.
Tate Liverpool

1969 traten Gilbert & George als Living Sculptures auf, kleideten sich dandyhaft und schrieben sich ihre Namen mit Glitter auf die Stirn. „Die Kleidung muss immer vornehm sein, gut gepflegt, leger, freundlich, zuvorkommend und perfekt zusammengestellt“, heißt es in den von ihnen verfassten Laws of Sculpture. In Portrait of the Artists as Young Men präsentieren sie sich entsprechend als kultivierte Ästheten. Ihre geschminkten Gesichter imitieren den skulpturalen Glanz von Marmor; und vermitteln diesen Hauch von Dekadenz, den auch Glam Stars wie David Bowie und Lou Reed mit ihrem weißen Make-up ausstrahlten.

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Nan Goldin, geb. 1953

Kenny beim Make-up, Boston, 1973

Courtesy Nan Goldin & Matthew Marks Gallery, New York

Goldin beschrieb ihre frühen Arbeiten als „Schnappschüsse… entstanden aus Liebe und in Erinnerung an Menschen, Orte und gemeinsame Erlebnisse“. Sie dokumentierte die Bostoner Drag-Subkultur der frühen 1970er Jahre, in der ihre FreundInnen die Geschlechtergrenzen überschritten. Durch ihre Kleidung definierten sie sich ständig neu. Ihre sehr persönlichen Aufnahmen liefern einen Einblick in die Welt der Dragqueens, Drogenabhängigen und Transvestiten, die parallel zur Glam-Szene existierte. Vom eigenen Bild fasziniert schenkt Kenny der Fotografin keinerlei Aufmerksamkeit: Kenny ist damit beschäftigt, sich in sein weibliches Alter Ego zu verwandeln.

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Jack Goldstein, 1945–2003

Der Sprung, 1978
53 Sek.

Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln/Cologne & Nachlass von / the Estate of Jack Goldstein

Goldstein umschrieb den Ansatz seines künstlerischen Schaffens so: „Die Symbolik aufgeladener Bilder reduzieren“. The Jump von 1978 verbindet 23 das Spektakel einer Performance mit Hollywood-Glanz. Der Kurzfilm nutzt Filmmaterial mit Aufnahmen eines Turmspringers, der einen Salto vollführt. Die Figur wurde aus dem Originalkontext heraus genommen, isoliert und mithilfe der Technik der Rotoskopie (, die man für Zeichentrickfilme einsetzt,) verfremdet. Dabei entstand ein glitzernder Sternenmensch, der zum Sprung ansetzt und schließlich von der Bildfläche verschwindet.

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Richard Hamilton, 1922–2011

Modeblatt, Kosmetikstudie, 1969/1973

The Whitworth Art Gallery, The University of Manchester

1969 schuf Hamilton eine Reihe von Kosmetikstudien, die aus mehreren Schichten unterschiedlicher Materialien zusammengefügt waren. Die sorgfältigen Methoden zur Vorbereitung dieser Studien ahmen den Prozess eines echten Gesichts-Make-ups nach. Ausgangspunkt war eine Collage mit Ausschnitten von Models aus Modezeitschriften. Die so geschaffenen Figuren wurden anschließend mit Bildern einer Fotostudioausrüstung umrahmt, die der Künstler von einem Modefotografen ausgeliehen hatte. Bevor der letzte Schliff mit Kosmetikstiften von Hand aufgebracht wurde, bearbeitete er die Bereiche mit Grundfarben im Siebdruck und mit Schablonen.

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Nancy Hellebrand, geb. 1944

Lesley Kelley (David Bowie fan in her Bedroom), 1974
Delia (Marc Bolan fan in her Bedroom), 1974
Dave Fowle Sr and Dave Fowle Jnr, 1974
Dave and a Friend, 1974

Museum of London

Der Höhepunkt des Glam Rock 1973 fiel in das gleiche Jahr, in dem Großbritannien offiziell in die Rezession geriet. Die US-amerikanische Fotografin Nancy Hellebrand war an sozialen Themen interessiert, insbesondere am Leben unterprivilegierter Schichten. Während ihrer Londoner Zeit gewann Hellebrand das Vertrauen einer Gruppe junger Rockfans und fotografierte persönliche Einblicke: in ihr Leben, ihr Zuhause und ihre Freizeit. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen verstärken den Kontrast zwischen den armseligen „bedsits“ (Wohnschlafzimmern) und der Realitätsflucht: Diese offenbart sich in den glänzenden Postern an den Wänden.

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Peter Hujar, 1934–1987

Candy Darling auf ihrem Totenbett, 1973

The Peter Hujar Archive, Courtesy Pace/Mc Gill, New York

Warhols Superstar Candy Darling erlangte durch Lou Reeds Song Walk on the Wild Side aus dem Jahr 1972 Berühmtheit, denn sie ist eine der Transsexuellen, die darin besungen werden. Selbst auf ihrem Totenbett war sich Darling der Oberflächlichkeit ihrer selbst geschaffenen Rolle bewusst. In einem Abschiedsbrief an Warhol und ihre Freunde schrieb sie, sie fühle sich „zu leer, um diese irreale Existenz weiterzuführen“ und „gelangweilt... Man könnte auch sagen, zu Tode gelangweilt“. Sie starb im Alter von 29 Jahren an einem Lymphom. Hujar inszeniert Darling vor ihrem Tod im Krankenhausbett: als letzten Auftritt der Künstlerin.

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Derek Jarman, 1942–1994

Bei Duggie Fields zuhause, 1974
2 Min.
Courtesy LUMA Foundation

In den 1970ern kamen bei den FilmemacherInnen Amateurkameras in Mode. Jarmans Porträt seines Freundes Duggie Fields ähnelt einem typischen Amateurfilm. Als Künstler und Stilikone kultivierte Fields sein Dandy-Image am Chelsea Art College. Er gehörte zur angesagten Modeszene der King’s Road. Unter dem Einfluss der Bandmitglieder von T. Rex, seinen Nachbarn im Londoner Stadtteil Earls Court, vermischte er später seinen 1950er-Retro-Look mit dem androgynen Stil der 1970er Jahre. Fields umschrieb sein Leben für den Stil so: „Ich gestalte meine Umgebung so, dass sie mich unterstützt“.

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Ray Johnson, 1927–1995

Ohne Titel (Cupid mit grüßendem Jackie Curtis), 1974
Ohne Titel (Double Andy mit Nagellackmodell), 1977
Ohne Titel (Zahnbürste mit David Bowie), 1979–8/1987, 1/1990
Ohne Titel (Frank O’Hara) / Untitled (Frank O’Hara), 1973

© Ray Johnson Nachlass / Estate, Courtesy Richard L. Feigen & Co.

Distanz und Unnahbarkeit sind essentielle Eigenschaften des Glam. Johnson zählt zu den Mitbegründern der Mail Art, in der Kunstwerke über die Post in Umlauf gebracht werden. Seine Abneigung gegen eine kommerzielle Präsentation seiner Kunst brachte ihm den Ruf eines der coolsten Künstler der New Yorker Underground-Szene der 1970er Jahre ein. Johnson schuf über 200 Silhouettenporträts von persönlichen FreundInnen und Berühmtheiten, darunter Peter Hujar, David Bowie und Andy Warhol. Dazu zeichnete er das Profil ihres Schattens nach, den er auf ein Blatt Papier projizierte. Anschließend füllte er die Konturen mit Collagen aus unterschiedlichen Materialien.

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Bruce Lacey und Jill Bruce, geb. 1927

Stella Superstar und ihre aufregenden Weltraumabenteuer, 1973
5 Min. 44 Sek.

Courtesy Bruce Lacey & the British Film Institute, London

Die Performance zeigt Jill Bruce, Bruce Laceys Frau, als Stella Superstar. Die Aktion war Teil einer experimentellen Bühnenproduktion – bei der Performance und futuristische Barbarella-Erotik mit der Ästhetik der Krisenzeit kombiniert wurden.

Lacey studierte am Royal College of Art und entstammte der interdisziplinären Subkultur, die sich in den 1960er Jahren in England formierte. Mit ihrer Mischung aus Dadaismus, Performance Art, Musik, Film und Psychedelischem beeinflusste diese verschiedene Bands (wie The Alberts und The Bonzo Dog Doo-dah Band) und bereitete den Weg für den subversiven Humor und vielschichtigen Stil von Monty Pythons Flying Circus.

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John McManus

Roxette, 1977
15 Min. 58 Sek.

North West Film Archive at Manchester Metropolitan University

McManus drehte den Dokumentarfilm Roxette für seine Abschlussarbeit mit befreundeten KunststudentInnen, die Roxy Music-Fans waren. Der Film zeigt eine Gruppe von FreundInnen, die sich in ihrer Heimatstadt, 30 der Industriestadt Salford, für ein Bryan Ferry-Konzert im Opera House in Manchester vorbereiten. Die Welt des Glam Rock bot den StudentInnen eine Alternative zur eigenen Lebensrealität. Hier konnten sie sich im schrillen Outfit für kurze Zeit ihren Idolen näher fühlen.

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Bruce McLean, geb. 1944

Roxette, 1977
15 Min. 58 Sek.

Posieren für Sockel 3, 1971
Posieren für Sockel 1, 1971

Tate Liverpool

Als Protest gegen den Akademismus der Dozenten an der St Martin’s School of Art wandte sich McLean von konventionellen Mitteln zur Schaffung von Skulpturen ab. Stattdessen setzte er seinen eigenen Körper ein. Seine Arbeiten sind oft satirisch oder humorvoll und decken die Affektiertheit und Aufgeblasenheit des Kunstestablishments auf. Pose Work for Plinths konzipierte er 1971 als Performance für die Situation Gallery in London. In Anlehnung an die künstlichen Posen der liegenden Figuren des Bildhauers Henry Moore arbeitete sich McLean an drei unterschiedlich großen Sockeln ab. Später stellte er die Performance für die Aufnahme dieser Fotoserie nach.

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Sigmar Polke, 1941–2010

Art Deco, 1974
Kunsthalle zu Kiel

Tag für Tag… entfernen sie etwas Gehirn, 1975
Sammlung / Collection Liebelt, Hamburg

Sigmar Polke gehört zu den Begründern der in Deutschland entstandenen Bewegung des Kapitalistischen Realismus, eine teils satirische Antwort auf die Pop Art. Anders als der glänzende Stil der amerikanischen Pop Art scheinen Polkes Arbeiten betont kunstfertig und subversiv. Seine Werke stellen einen satirischen Kommentar zum Deutschland der 1970er Jahre dar – eine Zeit, die von politischen Unruhen, der Hippiekultur, dem Kalten Krieg und Terrorismus geprägt war.

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Patrick Procktor, 1936–2003

Gervase, 1968

Privatsammlung / private collection Patrick Holmes, Courtesy Redfern Gallery, London

Mit seiner Theatralik im Stil des Camp zählte Patrick Procktor zusammen mit Bohemiens wie Ossie Clark und David Hockney zu den schillernden Figuren in der Partyszene der 1960er Jahre. 1968 lernte Procktor den 22-jährigen Gervase Griffiths kennen. Während ihrer zweijährigen Beziehung war Griffiths das alleinige Motiv seiner Bilder. Griffiths strebte eine Rockstarkarriere à la Mick Jagger an und war Model für den Modeschöpfer Antony Price. Für Mr. Fish, dem Designer der Pop-Prominenz, führte er auch Männerkleider vor. Procktors Bilder von seiner Muse spiegeln die Idealisierung männlicher Schönheit wieder - und die Atmosphäre in der damaligen Jugendkultur.

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Mick Rock, geb. 1948

Ziggy Stardust Fans, ca.1972

Courtesy Mick Rock

Mick Rock ist bekannt als „der Mann, der die 70er Jahre fotografierte“. Mit seiner Kamera entstanden einige der Bildikonen dieses Jahrzehnts. Er äußerte, dass ihn sein Interesse an der Musik und Populärkultur dieser Zeit zur Fotografie gebracht haben. In seiner Funktion als offizieller Bowie- Fotograf dokumentierte Rock nicht nur die Bühnenfigur Ziggy Stardust, sondern auch das Bandleben hinter den Kulissen. Mit seinen Aufnahmen fing er zudem das Phänomen der „Bowie-Mania“, der Bewunderung der Teenager für ihr Idol, ein.

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Cindy Sherman, geb. 1954

Cover Girls (Vogue), 1976/2011

Courtesy Cindy Sherman & Metro Pictures, New York

Dieses Triptychon ist Teil einer Serie inszenierter Aufnahmen, die Sherman unter dem Titel Cover Girls schoß – als Kritik an den stereotypen Frauenbildern, die der Vermarktung von Illustrierten dienen. Ein Originalcover der Vogue von 1975 zeigt links das Model Jerry Hall als Inbegriff dieses Stereotyps. In der Mitte ist eine identische Reproduktion zu sehen, die Halls unnahbaren Blick in jeder Nuance nachahmt; allerdings mit dem Gesicht Shermans. Im dritten Bild verfremdet sie das Original durch eine verführerische Pose: ein aufreizendes Augenzwinkern.

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Katharina Sieverding, geb. 1944

Transformer, 1973–74

The Museum of Modern Art, New York. Committee on Media and Performance Art Funds and The Contemporary Arts Council of The Museum of Modern Art, 2009

Katharina Sieverding versteht das Bild als dynamischen Projektionsschirm. Die durch Überlagerung ihres Gesichts mit dem Gesicht ihres Partners Klaus Mettig entstandenen Porträts behandeln androgyne Persönlichkeitsmetamorphosen. Die in ihnen gespiegelte Faszination durch Travestie war damals zugleich ein politisch unterfüttertes Plädoyer für die Verflüssigung gesellschaftlicher Tabus und mentaler sowie biologischer Bestimmtheiten. Die Möglichkeit eines ohne Bevormundung sich ausformenden Bildes – verführerisch, vielleicht auch erschreckend – betraf nicht nur das eigene Ich, sondern den gesamten Gesellschaftskörper. 34 Verwandlung – das war nicht als frivoles oder müßiges Spiel gemeint. Transformation war für Sieverding und ihre Generation ein Modell für die Möglichkeiten gesellschaftlicher und künstlerischer Kommunikation und Erfahrung.

Zugleich fand diese Entwicklungserwartung ihre Beglaubigung in der eigenen Biographie und entsprechend im Material des Selbstbildnisses – Sieverding nimmt die Bilder des Ichs zum Ausgangspunkt selbstkritisch künstlerischer Aussage. Wenn sie diese der Bearbeitung unterwirft, so ist zwar einerseits das Gesicht nur als Display, als Oberfläche aufgefasst, andererseits aber auch das Hautnahe der künstlerischen Arbeit betont. Ähnlich wie die Haut als Grenze zwischen Ich und Welt zugleich der Ort des Austausches und des Stoffwechsels ist, so verwandelt sich bei Sieverding das fotografische Bild in ein reizbares, empfindliches und reagierendes Etwas. Gerade die Werkreihe Transformer löst bei Betrachtern Empathie-Effekte aus, weil hier der Prozess der Persönlichkeitsverwandlung als mental-körperlicher Vorgang sichtbar wird. (Rudolf Schmitz)

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Jack Smith, 1932–1989

Untitled, 1958–62/2011

Courtesy of Jack Smith Archive & Gladstone Gallery, New York & Brussels

Von Andy Warhol stammt der Ausspruch: „Jack Smith ist der einzige Künstler, den ich kopieren würde“. Als Filmemacher mit Kultstatus und Pionier der Performance-Kunst war Smith einer der ersten Vertreter von Camp und Trash und besaß großen Einfluss auf Kunst, Musik und das Kino seiner Zeit. Seine Fotografien beziehen sich auf den Glamour Hollywoods und die Sinnlichkeit des Orients und setzen Dragqueens und Transvestiten anstelle von Filmstars in Szene. Smiths Szenarien feiern das Dekadente und Artifizielle, beides Merkmale, die den Glam der 1970er Jahre definieren sollten.

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Billy Sullivan, geb. 1946

New York/London/Paris, 1971–5

Billy Sullivan & Nicole Klagsbrun Gallery, New York

„Meine Arbeit ist das Tagebuch eines Lebens“, äußerte Sullivan einmal. „Ich ging jeden Abend aus… es schien nur natürlich, dass beides zusammenfand“. Ab den späten 1960er Jahren dokumentierte er die New Yorker Szene in offenherzigen Fotografien von FreundInnen in ihrem Alltag. Sullivan besuchte die unkonventionelle Welt der KünstlerInnen, Models und Dragqueens. Für Andy Warhol schuf Sullivan das Bühnenbild der Londoner Inszenierung von PORK und beobachtete die SchauspielerInnen während der Proben und Aufführungen mit der Kamera.

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Ulay, geb. 1943

S’he, 1972

MB Art Agency Amsterdam

Ulay war ein Pionier der Body Art der 1970er Jahre. Er setzte seinen eigenen Körper ein, um Themen von Geschlechtlichkeit und Selbstidentität zu hinterfragen. In seiner Fotoserie mit hermaphroditischen Selbstporträts, die er als Auto-Polaroids bezeichnet, zeigt er sich halb als Frau, halb als Mann gekleidet. „Das waren sehr persönliche und private Arbeiten“, erklärte er später. Mit einer billigen Kamera aufgenommen, waren sie ursprünglich als Mittel zur Aussöhnung der eigenen Mann-Frau-Dualität und weniger als Kunstwerke gedacht. „Ich habe einige psychologisch komplizierte Dinge unternommen… Ich würde es als ‚Behandlungen‘ zur Selbstbefreiung bezeichnen… Meine Kunst war eine Art Befreiung.“

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Andy Warhol, 1928–1987

Vier Schuhspitzen, 1950er Jahre
Stöckelschuh mit Schatten, 1950er Jahre
Schuh und Bein, ca. 1956
Männerschuh, 1956

The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Beitrag / Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

In den 1950er Jahren verdienten sich viele junge KünstlerInnen ihr Geld als IllustratorInnen und SchaufensterdekorateurInnen für die Modeindustrie. Warhol hatte enormen Erfolg als kommerzieller Illustrator und hatte sich spezialisiert auf elegant gezeichnete Schuhwerbungen für Kunden wie die Vogue, die I. Miller Shoe Company und Bonwit Teller. Er wurde zu einem der bestbezahlten kommerziellen Künstler in New York. 1957 brachten ihm seine Arbeiten die begehrte Medaille des Art Director’s Club ein. Indem er die Konturen von Man’s Shoe mit Blattgold ausfüllt, transformiert er einen Alltagsgegenstand in einen Luxusartikel und in ein Objekt der Begierde.

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